Varzascatal 2005: Hüttenanstiege und Teile der VAV

Ja, den Wahnsinn wollte ich etwas fortsetzen. Der Tessin ist schnell zu erreichen. Abfahrt am Sonntag, den 17. Juli um 6.00 Uhr ab Mönchengladbach, um 13.00 Uhr in Lavertezzo, Verzascatal. Treffen mit Familie K., bei Brione finden wir einen Parkplatz (das Tal ist an diesem Sonntag völlig zugeparkt), im Auto von K. zurück nach Lavertezzo und so weit es geht auf der engen Forststraße hoch bis unter Cognera,- auch hier ist Parkplatz rar, aber K. meistert alles bravourös. Ab hier zur Alpe Fümegna, noch über 1000 m Aufstieg, die aber erst ganz am Ende des Tals bewältigt werden müssen. (Alle generellen Infos hier)

In Fümegna schöner Abend. Hier oben haben die meisten Handies keinen Netzkontakt , mit dem Handy von K. können wir den Wetterbericht abfragen. Morgen drohen ab Mittag Gewitter.

Zwei größere Gruppen starten früh auf die VAV: 3 Schweizer, die haben die Tour genau vorbereitet, mit auf der Karte eingetragenen Notabstiegen (man kann nur sehr selten den Grat verlassen), und eine Holländerin mit 3 Kindern, von denen die älteste sehr gut klettert. Mir wird nachts klar, dass W. und ich viel zu langsam sind und nicht vor dem Gewitter vom Grat sein würden. Montag ist nicht unser Tag.

Passo Lodrino

Montag:
Wir stehen spät auf, verabschieden Familie K., die zurück ins Tal gehen, und machen einen kurzen Spaziergang durch schönes Gras-Steinland zum Felsanfang des Poncione Rosso. Foto: W. vor der Forcarella di Lodrino.  Mit Blick auf die anziehenden Wolken dränge ich bei Erreichen des Gipfelfußes auf Umkehr. Wir sind genau beim Beginn des Regens zurück in der Alp. Am nächsten Tag sagt Lorenzo, ausgebildeter Bergführer: Wenn ihr weiter auf den P. Rosso gegangen wärt, wärt ihr jetzt tot. Denn der Fels ist von Algen überzogen, die bei Nässe glatt werden.

Zeit für einen Mittagsschlaf auf Fümegna. Wir erleben einen gewaltigen Gewittersturm, der die Almhänge mit Hagel bedeckt, als ob es geschneit hätte. Das Tosen und der Hagel auf dem Blechdach sind gigantisch. Sorge, wie die Kühe das Unwetter überstehen. Abends kommen Lorenzo und Christina hinzu. Angenehm zu wissen, dass sie am nächsten Tag  auch die VAV gehen werden.


Dienstag: VAV Etappe 2: Fümegna-Efra


Abmarsch um 6.00 Uhr. Überall weiße Flecken vom Hagel. Man steigt etwa 50 m durch eine Felswand zur Bassa di Rosso auf. Die Tritte und Bänder sind meist breit genug für zwei Füße. Unangenehm heute morgen die leicht gefrorene Hagelauflage, die man aber gut wegschieben kann. Einmal ist W. fast abgestürzt: Einige recht große Felsplatten, an denen er sich festgehalten hatte, kommen los, ich sehe ein durcheinander von W. und Platten, es scheint Sekunden zu dauern, bis mir klar wird, dass ich zugreifen muss, und krieg W. am Rucksack zu packen. Er liegt auf den schmalen Stufen, und während ich aufgeregt frage, ob er Boden unter den Füßen habe, zieht er ausgerechnet den Rucksack aus, an dem ich ihn zu halten glaube.(Für ein wirkliches Halten hätte mein Stand nicht gereicht). Gut, er hat also Boden unter Hintern und Füßen, eine enorme Prellung an der rechten Schulter. Den Schock und verschiedene andere Wunden nimmt er erst später wahr. Das hätte es sein können! Gegen 8 Uhr auf der Bassa holen uns Lorenzo und Christina ein, die erst um 7 Uhr losgegangen sind, sie entschwinden bald unseren Blicken.

Bassa di Rosso

auf Rosso

Links: Endlich "an Land". Blick von der Bassa di Rosso auf den Poncione Rosso Die Aufstiegswand ist rechts des schmalen Grates.
 Rechts: Vom Aufstieg zur Cima Lunga aus Blick Auf den P. Rosso und die Forcarella di Lodrino und vermutlich auf einige Gipfel der ersten VAV-Etappe.
Lorenzo CimaBri.jpg
Danach geht es etwas einfacher, obwohl auch der Aufstieg zur Cima Lunga (Foto) teils auf schmalen Stufen führt.

Dieses Foto ist von Lorenzo di Berardino.
Der Grat der Cima Lunga stößt auf die Cima di Bri. Vor dieser führt die VAV rechts hinab in die kleine Schuttsenke (mit ganz kleinem See), und steigt dann wieder an auf den Nordgrat der Cima di Bri..

Cimalunga.jpg Dies ist nun die ganze Cima Lunga samt Abstieg in die kleine Senke, eben nach diesem Abstieg, vom erneuten Aufstieg zum Grat zwischen Bri und Rierna aus aufgenommen.
Dies ist nun die ganze Cima Lunga, vom Aufstieg aus der Senke zum Nordgrat der C. di Bri aus aufgenommen.

Das rechte Bild von Lorenzo di Berardino: Er hat W. und mich auf der Cima Lunga aufgenommen.

Auf dem Nordgrat quert man bald auf seine Westseite, und muss dann nach Westen recht unangenehm durch Fels und Lehm absteigen zur Btta di Rierna.
BoccRierna.jpg

Links: Bocchetta di Rierna (2295), der Weg erklimmt gleich wieder den Grat. Vermutlich führt er auf dem Grasband auf der Ostseite (A), denn links des (A) scheint am Fels im Schatten eine Markierung zu leuchten. Der Weg sieht auf den meisten Fotos grasig harmlos aus. Aber man muss doch recht oft auf schmalen Bändern wie hier Hindernisse umgehen.

Unten: Aufstieg zur Cima di Rierna, Rückblick auf die Bocc. di Rierna und die Cima di Bri. Man sieht links oberhalb der Btta den Pfad Gras und Schuttrinnen queren, und somit die Bucht in der Felsstufe, in der sich der unangenehme Abstieg befindet.

RiernaBri

RiernaGagnone.jpg

Links: Blick vom Rierna voraus zum Gagnone(2518), rechts darunter der Passo Gagnone, der zwischen dem Tal von Efra und dem Val Gagnone (auch ein Val d'Ambra-Ausläufer) liegt. Über diesen Passo quert die bekannte Trekking del 700 Route, von Personico kommend.

Für uns sah es so aus, als sei mit dem Gagnone alles geschafft, dann nur noch Abstieg,- allerdings hatte Lorenzo gesagt, dass die 200 m Abstieg zur Bocchetta delle Scaiee etwas schwierig seien. Um 17.00 Uhr waren wir auf dem Gagnone, nach 11 Stunden,- laut  Faltblatt sollte man die ganze Strecke in 8 Stunden schaffen, was vermutlich keine knappe Bemessung ist. Aber das Wetter war ja gut, und nun war der letzte Gipfel erreicht.

Nach der Kümmerling-Frey-Karte (1:40000) müsste der Weg vom Gagnone nach Westen in den flachen, karstigen Hang abknicken und dann mit den Wanderwegen aus dem Agrotal zur Btta. della Scaiee aufsteigen. Tatsächlich erzählte Lorenzo später, dass er schon mal so vom Pne. d'Alnasca kommend zum Gagnone aufgestiegen sei. Aber nein, der Weg folgte dem Grat, die Bocchetta war nicht zu sehen, zu sehen war nur, dass es auf felsiger werdendem Grat nun etliche Male recht luftig hoch und runter gehen sollte.

Ab_Gagnone1.jpg Ab_Gagnone3.jpg Ab_Gagnone4.jpg
 Wir waren nach 11 Stunden eigentlich zu müde, uns noch einmal richtig zu konzentrieren. Man weiß, genau dann wird es gefährlich,- und dieses Wissen mobilisierte die nötige Anspannung. Drei Fotos von diesem Abstieg zur Bocchetta della Scaiee (2453). Ab hier rotweiß markierter Pfad zum Passo Gagnone (2217).

Ab dem Passo gehe ich wie üblich vor zur Hütte auf 2036. Ankunftgegen 18.00 Uhr. Die (Selbstversorger-)Hütte ist sehr schön, gut ausgestattet. Ich konnte sogar noch duschen (kalt, draußen). Der Hüttenwart war da, er wollte am nächsten Morgen Wege markieren.

L_LagodEfra.jpg L_CapEfra.jpg
Beide Bilder von Lorenzo: Der Lago d'Efra auf 1836 , also ca 200 m unterhalb der Capana Efra (rechtes Bild, diese auf 2039).
Unten: Die Felswand im Rücken der Hütte, mit Steintürmen, die Wanderer hier aufgeschichtet haben,- schöne Farben. Rechtes Bild: Die Hütte im Morgenlicht, mit Gagnone, der Pfad von der Btta della Scaiee zum Passo eingezeichnet.
torri_Efra.jpg Cab_Efra.jpg

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