Wandern in Frankreich
Wir denken, Franzosen wandern wenig,
und man könne in Frankreich auch nicht gut wandern. Das erste ist
falsch, das zweite völlig falsch.
Neben sogenannten
regionalen Wanderwegen ist Frankreich von einem über 40000km langen
Netz nationaler Wanderwege überzogen, den Sentiers de Grande
Randoneé (GR). Diese sind durchnummeriert, sie sind z.B.
auf den 50-tausender Karten des IGN eingezeichnet,
und man findet sie dünn gestrichelt sogar auf den gelben Michelin-Staßenkarten!
Diese GR sind zentral verwaltet durch die Fédération
Francaise de la Randonée Pédestre (FFRP)
Adresse: 9, rue Geoffroy-Marie 75009 Paris oder :http://www.ffrp.asso.fr/
Bei der FFRP kann man die
Topo-Guides
zu
den einzelnen GR anfordern, das sind sehr gur angelegte Hefte mit Wegbeschreibungen
mit Zeitangaben, Kartenausschniten (welche nicht den Gebrauch einer IGN-Karte
ersetzen sollen), Informationen zu Unterkünften, Kartenmaterial, Verkehrsmitteln,
Schwierigkeit des Weges, etc. Auch landeskundliche Informationen
und ev. ein paar Fotos findet man in den Topo_Guides..
Meiner Erfahrung nach (Gr 5 vom Genfer See bis Menton, Tour du Mont
Blanc, Tour du Queras, Provence) kann man anhand
eines solchen Topo-Guide seine Wanderung vollständig vorbereiten.
So ein Topo-Guide kostet zur Zeit etwas 30 DM. Vorausgesetzt ist natürlich,
dass man durch das Französisch
des Topo-Guide durchkommt. Die
Karten
habe ich bisher immer in der betreffenden Gegend kaufen
können. Man kann sie sicher auch irgendwo anfordern.
Es gibt etliche Übersetzungen ins Englische: Footpaths of
Europe beimVerlag Robertson McCarta, 122 King's Cross Road London
WC 1X9DS. ZB: Normady, Bttany, Provence, Pyrenees, Auvergne, Dordogne,
Loire, GR5, Corsica.
Eine solche Übersetzung hab ich bei Chamonix in einem Laden gefunden,
sie enthält auch eine ausführliche Einführung für Engländer:Gr-System,
Unterkunftsarten, Verhaltensmaßregeln . .
Zustand der Wege:
Die Markierung ist in der Regel sehr gut. Ich kenne natürlich fast
nur GR's in den Alpen, und dort ist natürlich jegliche Wanderinfrastrukur
gut. Alle GR sind rot-weiss markiert, es gibt ein einheitliches System
von Signalen, die die Orientierung an Kreuzungen etc vereinfachen helfen.
Besonders durch Privateigentümer, die plötzlich nicht mehr das
Überqueren ihres Grundstückes gestatten, kommt es immer wieder
zu Änderungen der Wegführung. Diese Änderungen werden zwar
in irgendeiner Publikation der FFRP veröffentlicht, unsereins aber
kann schon mal ziemlich irritiert sein, wenn die Markierung anders will
als es die Karte hergibt. Ich habe immer nur hilfsbereite Leute angetroffen.
Unterkünfte:
In
den Topo-Guides stehen die Unterkünfte vermerkt. Neben Jugendherbergen,
Alpenvereinshütten bieten sich die Gites d'Étappes an, das
sind spezielle Wanderunterkünfte, also eventuell mit Schlafsälen
wie in Jugendherbergen. Hier, wie auch in den Hütten, kommt man mit
50 bis 65 DM pro Nase Halbpension aus, wobei das Abendessen in der Regel
den langen Weg des Tages Wert ist.... Man muss Bettwäsche (Hüttenschlafsack)
dabei haben.
Die Qualität solcher gites d'étappes variiert außerordentlich.
Sie können den Stil von Berghütten haben, es kann ein Schlafsal
auf dem Dachboden eines Hotels sein (Essen aber dann mit den Hotelgästen...),
von adrett, modern, liebevoll bis zu verkommenen, elenden Provisorien findet
man alles. Im Allgemeinen ist es in den Bergen wohl besser, weil es hier
ja auch mehr Gäste gibt. Wenn einem das Gite nicht geheuer ist (so
schlimm hab ich es allerdings noch nie angetroffen), dann bietet sich eventuell
das Ausweichen in ein Hotel an,- Hotels sind in Frankreich häufig
nicht so teuer wie bei uns. Während die Gites und Hütten in den
Bergen dicht gestreut sind, alle 4 bis 6 Stunden Fußweg etwa ein
Gite, ist die Planung im flachen Land schwieriger, da muss man die Etappen
schon geschickt einteilen, um immer nach angemessenem Weg an eine Unterkunft
zu kommen. Einzelne Erfahrungen sind teilweise in meine Wanderbeschreibungen
eingefügt.
Reservierung: In der Regel reserviere
ich abends telefonisch für den nächsten Tag. Zumindest die GR
in den Alpen sind in den französischen Ferien völlig überlaufen,
da habe ich es schon erlebt, dass kein Platz mehr war. oder dass man "notuntergebracht"
wurde (Häufig war mir eine Matraze im Essraum lieber als im Schlafraum,
denn die Franzosen haben die unschöne Angewohnheit, auch im Sommer
bei geschlossenen Fenstern zu schlafen.)